Es ist zu trocken. Seit 3 Monaten hat es kaum geregnet. Die Wiese ist total verdorrt. Johanniskraut und Jakobskreuzkraut haben lange durchgehalten aber jetzt sind sie auch in die Knie gegangen. Das einzige Kraut, das in unserer Wiese munter weiter blüht ist die Wilde Möhre, Daucus carota. Vielleicht etwas mickriger als üblich, mit kleineren Blütenständen aber sie hält eisern durch. Ich finde die mittlerweile so toll.

Optisch super schön, mit ihren nickenden Blütenkissen, unverkennbar mit dem kleinen schwarz-lila Punkt (Anthocyanpunkt), einer gefärbten weiblichen Blüte. Für zahlreiche Insekten Nahrungspflanze. Übrigens auch für Menschen, wie der Name vermuten lässt. Die Wurzeln sind weiß, schmaler und verzweigter und etwas süßlicher als unsere Kulturmöhren. Man sollte sie wohl vor der Blüte essen, weil sie sonst wie viele andere Kulturpflanzen auch verholzen. Auch Blätter und Blüten sind essbar. Ich habe sie noch nicht probiert, werde ich aber auf jeden Fall demnächst mal. Vielleicht nicht gerade wenn sie die einzigen Insektenweiden weit und breit sind. Die Blüten werde ich mal in Salat machen oder Kräuterquark vielleicht. Fun Fact: an den reifen und abgestorbenen Dolden kann man die Feuchtigkeit erkennen. Sie sind hygroskopisch, d.h. sie rollen sich bei Feuchtigkeit vogelnestartig zusammen und bei Trockenheit wieder auseinander.
Ich habe sehr viele Fotos und Videos von sehr vielen Schwebfliegen, Bienen und Schmetterlingen auf meinen Wilden Möhren. Als Doldenblütler, das heißt also mit Blütenständen aus vielen kleinen Blüten, den Döldchen die gemeinsam eine Dolde bilden, dienen sie vor allem kurzrüssligen Insekten als Nahrungspflanze.

Daher sieht man an ihnen vor allem viele Schweb- aber auch andere Fliegen und Käfer Nektar und Pollen sammeln. Auch viele Bienen sammeln hier, ich habe Sand-, Schmal- und Maskenbienen (die sehr kurze Rüssel haben) gesehen. Und tatsächlich habe ich eine dicke Raupe des Schwalbenschwanzes entdeckt!

Die fressen nämlich auch gerne an verschiedenen Doldenblütlern, wobei die Wilden Möhre die wichtigste natürliche Nahrungsquelle ist, habe ich gelesen. Das erwachsene Tier werde ich aber wohl erst nächstes Jahr sehen. Die Tiere der 2. Generation verpuppen sich jetzt um diese Zeit und gehen in eine Diapause, eine Art Ruhezustand und schlüpfen dann nicht wie die erste Generation nach 2-3 Wochen sondern erst im nächsten Frühjahr. Auch ein typisches Bild sind in den sich bildenden Nestern der sich zusammenrollenden Samen sitzende Streifenwanzen. Sie saugen Pflanzensäfte und tun das hier an den reifenden Samen.

Fazit: Wilde Möhren sind toll. Und hübsch. Sollte man sich in den Garten holen.

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